Alt-Text

Warum die Bildbeschreibung im Code über SEO und Barrierefreiheit entscheidet

Wenn ein Bild auf einer Website nicht geladen werden kann, erscheint stattdessen Text. Dieser Text ist der Alt-Text, also das alt-Attribut im HTML-Code eines Bildes. Was technisch wie ein simpler Notfallmechanismus klingt, hat in der Praxis zwei deutlich größere Funktionen: Er macht Inhalte für Menschen zugänglich, die Bilder nicht sehen können, und er hilft Suchmaschinen zu verstehen, was auf einem Bild zu sehen ist.

Beides hat direkte Auswirkungen: auf das Google-Ranking und seit Juni 2025 auch auf die rechtliche Konformität deiner Website.

Was ein Alt-Text technisch ist

Das alt-Attribut wird direkt im Bild-Tag hinterlegt. Bei einem Foto eines Apfelkuchens würde ein korrekter Alt-Text zum Beispiel lauten: „Selbst gebackener Apfelkuchen mit Zimtstreuseln auf einem Holztisch.“

Das alt-Attribut ist seit den Anfängen von HTML Bestandteil der Bildeinbindung. Ursprünglich diente es tatsächlich nur als Fallback, also als Textersatz wenn das Bild nicht geladen werden konnte, zum Beispiel bei langsamen Verbindungen oder defekten Dateipfaden.

Heute lesen Screenreader diesen Text vor, wenn jemand mit einer Sehbeeinträchtigung die Seite besucht. Und Googles Crawler, der keine Bilder „sieht“ wie ein Mensch, nutzt den Alt-Text um zu verstehen, was ein Bild zeigt und in welchem Kontext es steht.

Das macht den Alt-Text zu einem der wenigen HTML-Attribute, das gleichzeitig für Barrierefreiheit und SEO relevant ist.

Warum Alt-Texte für SEO wichtig sind

Suchmaschinen können Bilder nicht lesen. Sie können zwar mit Machine Learning zunehmend Bildmotive erkennen, verlassen sich aber bei der inhaltlichen Einordnung eines Bildes nach wie vor stark auf den Alt-Text.

Konkret bedeutet das: Ein Bild ohne Alt-Text ist für Google ein weißes Blatt. Ein Bild mit präzisem Alt-Text ist ein zusätzliches Signal für das Thema der Seite.

Das spielt auf mehreren Ebenen eine Rolle. Erstens stärkt ein keyword-optimierter Alt-Text die thematische Relevanz der gesamten Seite, weil Google die Texte aller Seitenelemente zusammen auswertet. Zweitens sind Alt-Texte der wichtigste Faktor für Rankings in der Google Bildersuche. Wer über Bildersuche gefunden werden will, kommt an Alt-Texten nicht vorbei. Drittens werden Seiten mit vollständig ausgefüllten Alt-Texten in technischen SEO-Audits höher bewertet, weil fehlende Alt-Texte als Onpage-Fehler gelistet werden. Gut beschriftete und korrekt eingebundene Bilder tragen außerdem zur Verbesserung der Core Web Vitals bei, insbesondere beim LCP-Wert.

Dabei gilt die Faustregel: ein Keyword pro Bild, natürlich eingebaut. Wer versucht, drei Keywords in einen Alt-Text zu stopfen, riskiert Keyword-Stuffing, das Google negativ wertet.

Barrierefreiheit und das BFSG

Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es verpflichtet erstmals auch private Unternehmen dazu, digitale Produkte und Dienstleistungen barrierefrei zu gestalten. Dazu zählen unter anderem Online-Shops und Websites mit kommerziellem Angebot.

Fehlende Alt-Texte sind einer der häufigsten Verstöße gegen die WCAG-Richtlinien (Web Content Accessibility Guidelines), auf die das BFSG Bezug nimmt.

Screenreader, also Software die Bildschirminhalte für blinde oder sehbehinderte Nutzer vorliest, überspringen Bilder ohne Alt-Text vollständig oder lesen den Dateinamen vor, was in der Praxis so klingt: „DSC00384.jpg“. Das ist für betroffene Nutzer unbrauchbar.

Ein gut formulierter Alt-Text beschreibt den Bildinhalt so, dass jemand, der das Bild nicht sehen kann, den Kontext trotzdem versteht.

Wie ein guter Alt-Text aussieht

Die wichtigsten Regeln:

Beschreib den Inhalt, nicht das Format. Nicht „Foto von einer Frau“ sondern „Ärztin erklärt einer Patientin Untersuchungsergebnisse auf einem Tablet“. Der Alt-Text soll den Informationsgehalt des Bildes transportieren.

Nutze das relevante Keyword, wenn es natürlich passt. Wenn du auf einer Seite über Laufschuhe ein Bild eines Läufers auf einer Tartanbahn zeigst, dann ist „Läufer mit roten Laufschuhen auf einer Tartanbahn“ ein guter Alt-Text. Das Keyword sitzt natürlich im Satz, ohne gezwungen zu wirken.

Bleib unter 125 Zeichen. Screenreader brechen längere Texte manchmal ab oder machen den Lesefluss schwerfällig. Kurz und präzise ist besser als ausführlich und weitschweifig.

Fang nicht mit „Bild von“ oder „Foto zeigt“ an. Screenreader kündigen Bilder automatisch an. Der Satz „Bild von einem Apfelkuchen“ wird vorgelesen als „Bild, Bild von einem Apfelkuchen“, was redundant klingt.

Setze Kontext statt bloßer Beschreibung. Nicht „Mann sitzt am Schreibtisch“ sondern „Buchhalter prüft Jahresabschluss mit Taschenrechner und Tabellenkalkulationssoftware“. Der Kontext macht den Alt-Text sowohl für Nutzer als auch für Suchmaschinen wertvoller.

Wann du keinen Alt-Text setzen solltest

Nicht jedes Bild braucht einen inhaltlichen Alt-Text. Bei rein dekorativen Bildern, also Bildern die keine Information tragen und nur der visuellen Gestaltung dienen, wird das alt-Attribut bewusst leer gelassen. Im Code sieht das so aus: alt="", also zwei Anführungszeichen ohne Inhalt dazwischen.

Das ist kein Fehler, sondern Absicht. Es sagt dem Screenreader explizit: dieses Bild ist irrelevant, überspring es. Fehlt das Attribut hingegen komplett, liest der Screenreader ersatzweise den Dateinamen vor.

Die Unterscheidung ist wichtig: Ein fehlendes alt-Attribut ist ein Fehler. Ein leeres alt-Attribut bei dekorativen Bildern ist korrekt.

Bei Icons mit Beschriftungstext gilt dasselbe: Wenn neben einem Pfeil-Icon das Wort „Weiter“ steht, braucht das Icon keinen Alt-Text. Der Text übernimmt die Funktion bereits.

Typische Fehler in der Praxis

Dateinamen als Alt-Text: CMS-Systeme übernehmen manchmal automatisch den Dateinamen als Alt-Text. „img_4892.jpg“ oder „screenshot-2024″ sind keine Alt-Texte. Das ist einer der häufigsten Fehler bei Website-Audits und leicht zu beheben.

Keyword-Stuffing: „Laufschuhe kaufen günstig Laufschuhe Damen Herren Sale“ ist kein Alt-Text. Solche Überoptimierungen werden von Google erkannt und können sich negativ auswirken.

Alle Bilder gleich behandeln: Produktbilder in einem Online-Shop brauchen präzise Alt-Texte mit Produktbezeichnung und relevantem Kontext. Ein dekoratives Trennbild im Blog braucht keinen. Wer alle Bilder gleich behandelt, macht entweder zu viel oder zu wenig.

Alt-Texte nachträglich vernachlässigen: Viele Websites starten mit einer sauberen Alt-Text-Strategie, die dann beim schnellen Hochladen von Bildern im Alltag nicht konsequent weitergeführt wird. Sinnvoll ist eine klare interne Regel: kein Bild wird hochgeladen ohne Alt-Text.

Alt-Texte prüfen und nachrüsten

Wenn du nicht weißt, wie es um die Alt-Texte deiner aktuellen Website steht, gibt es schnelle Möglichkeiten zur Prüfung. Das kostenlose Browser-Tool WAVE (wave.webaim.org) markiert fehlende Alt-Texte direkt auf der Seite. In der Google Search Console findest du unter bestimmten Bedingungen ebenfalls Hinweise auf fehlende Bildbeschreibungen. Und wer ein umfassendes SEO-Audit durchführt, bekommt fehlende Alt-Texte als Onpage-Fehler mit Priorität gelistet.

Für Websites mit vielen Bildern, zum Beispiel Online-Shops, lohnt sich ein systematisches Nachrüsten. Dabei gehen Produktbilder vor, weil sie am meisten zur Sichtbarkeit in der Google Bildersuche beitragen.

Alt-Texte sind einer dieser SEO-Faktoren, die wenig Aufwand erfordern, aber konsequente Umsetzung verlangen. Wer eine neue Website aufbaut, sollte sicherstellen, dass das Thema beim Aufbau mitgedacht wird, am besten mit einer Webdesign Agentur, die Barrierefreiheit und SEO von Anfang an gemeinsam denkt und nicht als nachträgliches Häkchen behandelt.

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